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Weltweit einzigartig: In diesem Musical wird nur gejodelt

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Begegnet man seiner grossen Liebe nach 22 Jahren erstmals wieder, wirds emotional, hochemotional. «Chöntsch d’Welt umarme a dem Tag», singen Annemarie (Regula Ritler) und Sepp (Christian Frick) hingebungsvoll – und jutzen ihre Freude aus voller Kehle. Da bleibt kein Herz unberührt im Thurpark-Saal in Wattwil. Wir befinden uns nicht an einem x-beliebigen Turnerabend, sondern erleben eine Weltpremiere. Es ist das erste Jodelmusical überhaupt: «Stilli Zärtlichkeite».

In Zeiten, in denen nicht nur das Schwingen die Massen anlockt, könnte dies auch mit einem Jodelmusical gelingen. Das jedenfalls haben sich die Jodler-Koryphäen Ruedi Roth und Erwin «Buba» Bertschy vor rund drei Jahren überlegt, als sie die Idee eines Musicals diskutierten. «Die Schweizer Jodelkultur hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt, auch junge Leute interessieren sich dafür», erklärt Ruedi Roth, Drehbuchautor und musikalischer Leiter. Das Projekt wurde grösser und grösser. Waren zunächst drei, vier Aufführungsorte geplant, sind es nun 10 mit rund 30 Aufführungen. Eine richtige Schweizer Tournee – von Mümliswil über Naters bis nach Herisau. Von Weltpremiere war schnell die Rede, schliesslich hat bisher noch niemand ein Musical mit Jodelmusik organisiert und auf die Bühne gebracht. Mit «Stilli Zärtlichkeite» wolle man eine Brücke zwischen Tradition und Moderne schlagen, so die Initianten.

Jodler müssen auch tanzen

Was das hochkarätige Ensemble an der Premiere in Wattwil uraufführte, war alles andere als dilettantisch. Die Sängerinnen und Sänger wurden von Roth und Bertschy sorgfältig aus der Deutschschweizer Jodelszene ausgesucht. Die meisten sind Profis mit reicher Bühnenerfahrung wie Jodlerin Karin Gwerder aus dem Muotatal, Barbara Klossner aus dem Berner Oberland, Regula Ritler aus dem Oberwallis oder Christian Frick aus Urnäsch.

Mit dem Projekt betraten sie alle Neuland, denn mit Jodeln allein macht man noch kein Musical. Dafür zog man den Regisseur Peter Zimmermann und die Choreografin Franziska Flückiger bei, die beide viel Erfahrung in Sachen Musicals mitbringen. Die grösste Herausforderung stellte sich für Flückiger. Die unterschiedlichen tänzerischen Fähigkeiten musste sie auf ein Level bringen, denn die Jodlerinnen und Jodler müssen auch tanzen.

Es wird freilich nicht nur getanzt – sondern gesungen, gejodelt, gejohlt und gezauert. Unter den 20 Jodelliedern sind nicht nur neue, auf das Musical zugeschnittene Stücke, sondern auch ein paar bekannte Klassiker wie etwa «De Zwisler», «Tränezyte» oder «S’isch nümme die Zyt», die textlich angepasst wurden. Die meisten Lieder hat Ruedi Roth selbst komponiert, einige stammen aus der Feder von Ländlerlegende Willi Valotti, der mit seiner Wyberkapelle und dem Akkordeonisten Simon Lüthi das Stück musikalisch souverän begleitet.

Überraschende Wendungen

Puristen der Jodelmusik mögen nörgeln. Offene Jodlerfreunde freuen sich umso mehr über die Leichtigkeit, mit der die Musik daherkommt. Dazu sorgen die stimmige Geschichte für kurzweilige Unterhaltung und die Dialoge immer wieder für Lacher. Die Liebesgeschichte um Annemarie und Sepp spielt auf verschiedenen Zeitebenen und nimmt so manche überraschende Wendung.

Das Stück wird mit einer Standing Ovation honoriert. Ruedi Roth bedauert, dass das Jodelmusical nicht auch in grösseren Städten gezeigt wird. Denn dort könnte er das neuerwachte Interesse an Traditionen nutzen.

«Stilli Zärtlichkeite» noch bis April 2017 an neun Orten in der Schweiz.
Tickets und Infos: www.jodelmusical.ch